Energy Resources of Australia ist der größte Uranproduzent des fünften Kontinents und wird mehrheitlich von Rio Tinto kontrolliert, der mit 68,4 % größter Einzelaktionär ist. Weitere Anteile halten der weltgrößte Uranförderer Cameco aus Kanada (6,7 Prozent), die französische Cogema (7,8) sowie Japan Australia Uranium Resource Development (10,6).
Unter Berücksichtigung der Erzvorräte ist ERA der drittgrößte Uranproduzent der Welt. ERA ist eine Tochtergesellschaft von North Limited. Das „Gesamt-Unternehmen“ betreibt Minen, Forstwirtschaft und Maschinenbau. Vor allem Eisenerz-, Gold- und Kupferminen in Australien nennt es sein eigen. Als Warman International ist sie ein führender Pumpenhersteller. Die Forstwirtschafts- und Papierabteilung bewirtschaftet ausgedehnte Ländereien.
Energy Resources of Australia betreibt das Ranger-Uran-Bergwerk im Northern Territory von Australien. Australien verfügt über schätzungsweise 30% der westlichen Uranerzreserven. Deutsche Unternehmen sind beim Uranabbau in Australien kräftig beteiligt, so auch an der Ranger-Mine, die als eine der profitabelsten Minen der Welt gilt.
Die Ranger-Mine: Foto hier
Die Ranger-Mine liegt im Northern Territory und ist vom Kakadu-Nationalpark umgeben. Sie liegt rund 250 Kilometer östlich von Darvin. Die Ranger-Lagerstätte wurde 1969 entdeckt, Mitte der 70er Jahre fing man an zu bohren. Der mit Uran durchzogene Fels hat eine Länge von rund 14 Kilometern. Im Dezember 2001 bilanzierte man für Ranger Erzreserven von 22 Millionen Tonnen mit einem durchschnittlichen Grad von 0.27%, die somit 54.241 Tonnen U3O8 enthalten.
Unter dem Boden des Nationalparks liegt somit eines der größten Uranvorkommen der Welt. 9% des Weltbedarfs an Uran werden in Jabiru in der Ranger Mine im großen Tagebau gefördert. Das Minengebiet selbst wurde aus dem eigentlichen Nationalpark ausgeklammert. Nur 20 Kilometer entfernt liegt die ehemalige „Schwester-Mine“ Jabiluka. Weitere Uranminen gibt es z. B. nordwestlich, unter anderem die Nabarlek-Mine.
Der Uranabbau verläuft übertage, was die Umwelt stark belastet. Der Abbau ist nach wie vor umstritten. Umweltschützer fürchten, das fragile Ökosystem des Parks könnte durch radioaktive Schlämme beeinträchtigt werden (s.u.). Der Abfall wird oberirdisch gelagert und mit einer Schicht aus Erde, die stets feucht gehalten wird, überdeckt.
Die Ranger-Mine ist zusammen mit der WMC-Mine in Southern Australia die wichtigste Uran-Mine in Australien. Diese beiden fördern jährlich über 5000 Tonnen Uran. Fast 15% davon gehen nach Europa. Der größte Teil geht nach Großbritannien, aber vieles auch nach Deutschland und Frankreich. Die Ranger-Mine fördert allein 9% des Weltbedarfs an Uran. Probleme bereiten dem Unternehmen nicht nur Proteste gegen den Abbau, sondern auch die Natur selbst. Jedes Jahr kommt es in der Gegend zu Hochwasser und das Wasser läuft bei der Ranger Mine über. Im Worst Case kommt es dann zu Produktionsausfällen.
Die Ranger-Werke: Foto hier
Das Ranger-Projekt beinhaltet neben der Mine unter anderem ein Erzbehandlungswerk, das ursprünglich dafür entworfen wurde, 3.000 Tonnen von U3O8 pro Jahr zu erzeugen. Die Vergrößerung des Werks wurde 1997 vollendet, um eine Produktionskapazität zu ungefähr 5.000 Tonnen im Jahr zu erhalten. Das Werk ist auf dem neuesten Stand der Technik, die Arbeitsschritte werden in den Kontrollräumen von den Mitarbeitern überwacht. Der Standort beinhaltet weiterhin eine Kläranlage, um das Ge- und Verbrauchswasser wieder für die Produktion aufzubereiten.
Das Werk kostete ERA insgesamt 28 Millionen Australische Dollar. Es soll zukünftig eine Schlüsselrolle im Wasserverwaltungssystem des Ranger-Projektes spielen. Das neue Werk kann bis zu 1,5 Millionen Tonnen Wasser pro Jahr aufbereiten. Das Klärwerk ist für eine Lebenszeit von 20 Jahren konzipiert worden. Der Reinigungsprozess schließt die Vor- und Endbehandlung des Wassers ein, wie auch das extreme, mehrmalige Filtrieren. Der Prozess läuft auf einen hohen Grad der Reinigung, der Trinkwasser-Status bei der Ausgabe erreicht.
Das ist mehr als nötig, da man sich eigentlich auf dem Gebiet des Kakadu Nationalparks befindet. Auf dem Territorium liegt zudem noch ein Säurewerk. Die Schwefelsäure, die hier zum Einsatz kommt, ist erforderlich für den durchfilternden Prozess im Erzbehandlungswerk. Das Werk ist dazu fähig, ungefähr 250 Tonnen Säure jeden Tag zu erzeugen. Spezielle Arbeitsprozesse im Werk sollen dabei garantieren, dass Schwefel-Dioxid-Emissionen minimiert werden. Das elektrisches Kraftwerk auf dem Gelände liefert zudem den Strom für die Stadtgemeinde von Jabiru. Jabiru wurde ursprünglich als reine Bergwerksstadt gebaut, aber im Jahre 1997 als eine „offene“ Stadt von der Lokalregierung freigegeben. Das Ranger-Kraftwerk hat eine Kapazität von 28 Megawatt, die durch fünf Diesel- und Dampfturbinen zur Verfügung gestellt werden. Die durchschnittliche Auslastung der Station liegt bei ungefähr zehn Megawatt.
Der Markt:
Neben Europa erschließt sich der australische Uranförderer mehr und mehr den asiatischen Markt. Taiwans staatliches Elektrizitätsunternehmen Taipower wird zukünftig Uran aus Australien erhalten. Nach Angaben von Taipower hat das Elektrizitätsunternehmen Verträge mit Billiton und Energy Resources of Australia über den Kauf von 200.000 bzw. 500.000 Pfund Uran unterzeichnet. Das Uran wird zuerst in die USA zur Herstellung von nuklearen Brennstäben für Taiwans Kernkraftwerke geliefert. Taiwan hat bisher Uran unter anderem aus Kanada, Frankreich, den USA und Afrika bezogen. Es ist das erste Mal, dass Taipower Uran aus Australien erhält.
Die Blockbuster-Geschäfte wird ERA aufgrund des Verhandlungsgeschicks der australischen Regierung allerdings mit China machen. Australien und China schlossen einen Grundsatz-Vertrag zur Uran-Lieferung. Dieser wird den Betrieb und den Neubau chinesischer Kernkraftwerke langfristig sichern. Das Abkommen wurde in der australischen Hauptstadt Canberra von den Außenministern Alexander Downer und Li Zhaoxing unterzeichnet. Die Vereinbarung ist nach australischen Angaben aber nur ein erster Schritt. Zu nennenswerten Lieferungen werde es wohl erst ab 2010 kommen. Die chinesische Regierung sagte im Rahmen seines Australienbesuchs zu, dass Peking das australische Uran nicht zur Herstellung von Atomwaffen verwenden werde. Auch Australien hatte im Vorfeld erklärt, dass dieses Uran nur zu friedlichen Zwecken verwendet werde. Man betonte, dank des australischen Urans könne China seine Schadstoffemission reduzieren. Die Chinesen erklärten, die bilateralen Beziehungen seien nie so gut wie heute gewesen.
Es wird erwartet, das China in den kommenden 20 Jahren bis zu 50 neue Atomkraftwerke baut. Für deren Betrieb benötigt das Land Uran. Bereits jetzt exportiert Australien Uran in 26 Länder, darunter sind USA, Japan und Südkorea. Das Land liefert das Material aber nur an solche Länder, die dem Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet haben. Zudem werden bilaterale Sicherheits-Vereinbarungen verlangt. China müsse nun zunächst mit den Uran-Produzenten in Australien einen Liefervertrag aushandeln, dann müssten voraussichtlich neue Uran-Minen erschlossen werden. Dafür wären wiederum neue Lizenzvergaben durch die Regierung notwendig. Das würde Unternehmen wie ERA in die Tasche spielen. Die USA als enger Verbündeter Australiens, hatten die Bereitschaft des Landes zu den Uran-Lieferungen an China mit Skepsis gesehen. Die USA sehen offene Fragen bei den wirtschaftlichen und militärischen Ambitionen Chinas. Die bevorstehenden guten Geschäftsbeziehungen zwischen China und Australien könnten eine chinesische Investitionslawine in australische Uranprojekte lostreten. Spekuliert wird bereits über Summen von 7-10 Milliarden US-Dollar.
Analyse:
Die weltweite Renaissance der Atomkraft nimmt Fahrt auf, zum einen durch den explodierenden Energiebedarf, zum anderen durch den vereinbarten Klimaschutz. Umweltschützer werden trotzdem nicht auf eine Firma setzen, die in einem Naturpark, der zum Weltkulturerbe zählt, Uran abbaut. Die Börse ist jedoch Geschäft, und den Anleger erfreuten bislang die Zahlen von Energy Resources of Australia. Im Jahr 2004 hat der australische Uranproduzent einen Gewinnsprung um 94% auf 39,6 Mio. Australische Dollar geschafft. Ursache des Erfolgs war hauptsächlich eine höhere Förderung. ERA produzierte 2005 gut 13 Millionen Pound Uran U3O8. Ein Pound = 0,454 Kilogramm. Das entspricht etwa 60% der Fördermenge des Weltmarktführers Cameco. Der Gewinn stieg um 10% auf 40 Millionen australische Dollar.
Da die Lieferverträge mit Kraftwerksbetreibern lange laufen, profitierten die Australier kaum vom fulminanten Anstieg des Uranpreises von 7 auf zuletzt 40 US-Dollar je Pound. ERA besitzt mit 518 Millionen Pound etwa die Hälfte der Uranvorkommen Camecos. Gemessen am Marktwert von 2,5 Milliarden Au$ bringt ERA aber erst ein Zehntel von Cameco auf die Waage. Im Gegensatz zu den meisten anderen (wenigen börsennotierten) Uranerzminen arbeitet ERA profitabel und zahlt sogar eine Dividende. In den letzten Jahren waren es 6c bzw. 11c pro Aktie. Da hinter Energy Resources mit Rio Tinto ein 69%iger Mehrheitsaktionär steht, bietet dieser den Rückhalt, den die Firma in möglicherweise schlechten Zeiten braucht. Diese sind aber aufgrund der Abkommen nicht zu erwarten. Die Lagerstätten in der Ranger-Mine reichen noch Jahre. Zudem laufen die Uranlieferungen nach China gemächlich an. So ist diese Aktie eher als ein langfristiges Invest zu sehen und das, mit einem attraktiven Chance/Risiko-Verhältnis.