Das kanadische Rohstoff-Unternehmen Sino-Forest Corp. ist der größte ausländische Holzproduzent in China. Die Gesellschaft hat – basierend auf ihrer Firmenphilosophie – seit 1994 ein erfolgreiches Wachstum im Reich der Mitte zu verzeichnen.
Die simple und planungssichere Strategie umfasst den Aufkauf von gewachsenen Holzbeständen, die vorwiegend aus Pinien bestehen, deren kurzfristige Ernte und die anschließende Pachtung des Landes für 50 Jahre. Auf diesem Boden werden dann schnellwachsende Baumarten, wie Eukalyptus angepflanzt. Infolge dessen macht die Firma ihren Umsatz zumeist mit den Baumstämmen (29 %) an sich, sowie mit Hackschnitzel bzw. Holzspänen (47 %), den sogenannten „wood chips“. Darüber hinaus bewirtschaftet Sino-Forest aufgrund der hohen Papier-Nachfrage vor Ort Holzverarbeitungswerke, in denen Paneele und weitere Rohbauteile für die Bau- und Möbelindustrie vorgefertigt werden.
Der Umsatzanteil liegt bei 20%. Die restlichen fünf Prozent werden durch Kommissionsgeschäfte mit der chinesischen Wirtschaft und dem ausländischen Holzhandel getätigt. Die kanadische Firma agiert in Bezug auf ihr chinesisches Geschäft vorwiegend von ihren ausführenden Büros in Hong Kong und Südchina aus. Zur besseren Strukturierung der Gesellschaft wurden die Sino-Wood Partners Ltd., die Sino-Panel Holdings Ltd. und die Sino-Global Holdings Inc. gegründet. Das Besondere in diesem Geschäftsfeld ist die Kombination der Faktoren Wachstumsmarkt und Einsatz professioneller forsttechnischer Arbeitsweisen. Der Holzproduzent arbeitet bereits jetzt zu 50 % effektiver als die chinesische Konkurrenz und setzt sich als Ziel die Holzausbeute pro Hektar jeweils zur neuen Ernte zu steigern.
Durch die eigenen Werke sowie Kommissionsgeschäfte können Zwischen- und Großhändler übergangen werden. Damit versucht man die Preise für die Abnehmer (z.B. Möbelindustrie) unterhalb jener der Konkorrenz zu halten.
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Standort China:
Trotz der Größe des Landes ist China waldarm. Aktuell sind nur etwa 18% der Landfläche von Wäldern bedeckt. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 35%. Die chinesische Landbevölkerung deckt 40% ihres Energiebedarfs mit Holz ab. Der Rohstoff wird allerdings immer mehr für die wachsende Produktion von Papier und Holzwerkstoffen benötigt.
Die Waldarmut macht China somit abhängig von Holzimporten. Um diese Abhängigkeit zu verringern, ergreift die Regierung in Peking seit Jahren Maßnahmen zum Schutz der Wälder und forciert die Aufforstung. In vielen Provinzen des Reiches gilt heute ein generelles Abholzverbot für Naturwälder. Sino-Forest hat diesen Trend als einer der ersten erkannt. Das Unternehmen bewirtschaftet in der Volksrepublik auf einer Fläche von 318.000 Hektar Forstplantagen. Schnell wachsende Holzarten wie Eukalyptus, Pappel und Kiefer beschleunigen den Prozess bis hin zur Ernte.
Sino-Forest arbeitete in China von Beginn an profitabel. Nach neun Monaten 2005 stiegen die Erlöse um 61% auf 323 Millionen US-Dollar, die operativen Mittelzuflüsse erreichten 138 Millionen Dollar, der Reingewinn verbesserte sich um zwei Drittel auf 54 Millionen Dollar. Bis 2011 bestehen Ankaufoptionen für weitere Plantagen, die Sino-Forest auf eine Gesamtfläche von 616.000 Hektar bringen könnten. Umgerechnet sind das beeindruckende 6.160 km2.
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Background-Infos & Bestandsaufnahme:
Seit mehreren Jahren gibt es in China die allgemeine Aufforstungspflicht. Dadurch konnte die Waldfläche vergrößert werden. 2005 betrug die gesamte Waldfläche Chinas 175 Millionen Hektar, wie vom staatlichen Forstamt Chinas zu erfahren war. 18,2% der Gesamtfläche Chinas besteht damit aus Wald. 5% mehr, als noch zum Ende des letzten Jahrhunderts. Die künstlich aufgeforstete Fläche in China beträgt insgesamt 53 Millionen Hektar. Damit liegt China an erster Stelle in der Welt, was die künstliche Aufforstung angeht. Bei der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 betrug die Waldrate nur 8,6%. Durch Bemühungen in den vergangenen Jahren haben sich die Waldressourcen in China, sowohl Quantität als auch was die Qualität angeht, in großem Maße verändert.
In China gibt es hauptsächlich drei Waldgebiete: Im Nordosten, im Südwesten sowie im Südosten. Das nordöstliche Waldgebiet ist das größte natürliche Waldgebiet in China. Dazu gehören Da Xing An Ling und Xiao Xing An Ling sowie die Changbaishan-Gebirgsgegend. Die Waldfläche hier macht ein Drittel des Gesamtbestandes aus. Das Südwest-Waldgebiet ist das zweitgrößte Naturwaldgebiet in China. Dazu gehören der Süd-Berghang des Himalajas, die große Yarlungzangbo-Flussbiegung und das Hengduan-Berggebiet. Die Fläche der Wälder hier macht etwa ein Viertel aus.
Das Südost-Waldgebiet befindet sich hauptsächlich in den Provinzen Jiangxi, Fujian und Taiwan. Hier gibt es viele künstliche Aufforstungsprojekte. Es kommen sowohl Nadelwälder als auch Laubwälder und Mischwälder vor. Auch subtropische Baumarten sowie Baumarten der gemäßigten Klimazone wachsen im Reich der Mitte. Darunter fallen seltene Baumarten wie der Ginkgobaum und die Metasequoia, die als Urwelt-Mammutbaum bekannt ist. Das reichhaltige Vorkommen von verschiedenen Bambusarten beschert China im Bereich der Bambusprodukte die Führungsposition auf dem Weltmarkt. Insgesamt gibt es mehr als 8.000 verschiedene Holzpflanzen, was etwa 40% aller in der Welt existierenden Holzpflanzen ausmacht. 35 Prozent dieser 8.000 Holzpflanzen in China sind Baumspezies, also etwa 2.800.
Darlehen von 19 Mio. Euro für Sinowood Partners aus Deutschland
Bemerkenswert ist die ständig zunehmende internationale Zusammenarbeit bei der Aufforstung in China. Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) stellte Sinowood Partners im Jahr 2000 hierfür ein langfristiges Darlehen in Höhe von 19 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist der Aufbau nachhaltig bewirtschafteter Forstreviere. Im konkreten sind die Mittel für die Aufforstung von 30.000 Hektar brachliegender Landflächen in den Provinzen Guangdong, Guangxi und Jiangxi vorgesehen. Das Darlehen hat eine Laufzeit von insgesamt zehn Jahren (seit 2000), die Tilgung begann jedoch erst nach fünf Freijahren (seit 2005).
Analyse:
Der wachsende Wohlstand in China führt immer mehr zu einem steigenden Bedarf an Papier. Mit 47 Millionen Tonnen ist China 2003 nach den USA bereits der zweitgrößte Papierkonsument der Erde gewesen. Um von ausländischen Importen unabhängiger zu werden, forciert China den Anbau von schnell wachsenden Bäumen. In den nächsten zehn Jahren sollten fünf Millionen Hektar Baumplantagen neu geschafften werden.
Profiteur der Holzknappheit in China ist dabei eindeutig Sino-Forest. Bis 2012 dürfte die Abholzfläche auf 100.000 Hektar jährlich ansteigen. Experten prognostizieren alleine bei der Möbelindustrie bis 2010 ein jährliches Wachstum von 11%. Die Zunahme kommt dabei sowohl aus einer wachsenden Binnen-Nachfrage, als auch aus dem Exportsektor. So gab es in China bereits 2002 ein Angebotsdefizit von 100 Mio. kbm (Verbrauch 350 Mio. kbm). Dazu kommt, dass die inländische Angebotsseite geschwächt wurde, da durch Flutkatastrophen und Raubbau der natürliche Bestand arg dezimiert ist und die Regierung mit Naturschutzmaßnahmen reagiert hat – d.h. auch diese Flächen stehen nicht mehr zur Holzgewinnung zur Verfügung. Hinzu ist zu bedenken, dass Holz aufgrund seines hohen Gewichts pro Umsatzeinheit hohe Transportkosten verursacht, also nicht beliebig transportierbar ist. So gesehen, könnte höchstens Holz aus Nord-Thailand über ein sich öffnendes Birma günstig nach Süd/Ostchina gelangen, aber die Entstehung dieses Marktes würde Jahre dauern. Positiv für das Geschäft der kanadischen Sino-Forest ist zudem, dass die oben bereits benannte Ausschaltung der teuren Zwischenhändler die Margen zukünftig um einige Prozent-Punkte steigen lassen.
Der Gewinn pro Aktie wird vom Unternehmen mit 0,40 Euro für 2006 angegeben, für 2007 sind es 0,44 Euro und das bei einem KGV von 9,83 (2006e) und 8,84 (2007e). In der Gewinnerwartung prognostiziert man für das aktuelle Jahr ein plus von 16,76%, für das Jahr 2007 von 11,22%.